Fünf Fragen an …: das Leitungsteam des Vereins CONTRAST

Wann und mit welchem Ziel wurde der Verein CONTRAST gegründet?
CONTRAST wurde 1985 gegründet und begleitet seitdem blinde, sehbehinderte sowie mehrfachbehindert-sehgeschädigte Kinder und ihre Familien von den ersten Lebenswochen bis zum Schuleintritt. Unser Ziel ist es, Sehbeeinträchtigungen möglichst früh zu erkennen, Familien in ihrer besonderen Lebenssituation zu begleiten und sie zu unterstützen.
Besonders in den ersten Lebensjahren kann die Sehentwicklung durch gezielte Angebote gefördert werden. Wenn ein Kind mit einer Sehbehinderung oder Blindheit geboren wird oder diese in den ersten Lebensjahren auftritt, hat das tiefgreifende Auswirkungen auf seine Entwicklung. Es ist entscheidend, eine Sehbehinderung so früh wie möglich zu erkennen, um rechtzeitig geeignete Maßnahmen einzuleiten. Frühzeitige Interventionen können die Entwicklung des Kindes positiv beeinflussen und langfristige Probleme verhindern. Dabei streben wir größtmögliche Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Zufriedenheit für das Kind und seine Familie an. Durch diesen ganzheitlichen Ansatz möchten wir Kindern mit Sehbehinderung die besten Voraussetzungen für ihre persönliche, soziale und schulische Entwicklung bieten. Im Mittelpunkt stehen dabei stets das Kind und seine Familie.
Wie können Eltern, Pädagog*innen und andere Bezugspersonen früh eine mögliche Beeinträchtigung des Sehsinns bei einem Kleinkind wahrnehmen? Wann und wie können sich Familien an Sie wenden?
Wichtige Warnsignale können sein, dass ein Kind keinen Blickkontakt aufnimmt, nicht auf Gesichter oder Licht reagiert, häufig an Gegenständen vorbeigreift, stark lichtempfindlich ist, schielt oder die Augen zittern. Auch wenn Spielsachen oder Bilder sehr nahe an die Augen gehalten werden oder das Kind in seinen Bewegungen auffallend unsicher wirkt, sollte eine augenärztliche Abklärung erfolgen. Eine Untersuchung ist bereits im Säuglingsalter möglich.
Familien können sich dann melden, wenn eine Sehbehinderung diagnostiziert wurde oder ein entsprechender Verdacht besteht. Gerade die ersten Lebensjahre sind für die Sehentwicklung besonders wichtig. Deshalb empfiehlt CONTRAST eine möglichst frühe Kontaktaufnahme und Abklärung.
Wie kann man sich eine Förderung durch Ihr Team vorstellen? Welche Professionen und Ausbildungen haben die Mitglieder Ihres Teams?
CONTRAST bietet maßgeschneiderte Begleitung und spezifische Entwicklungsförderung für Familien an, deren Kinder eine Sehbeeinträchtigung haben oder blind sind. Unser Ziel ist es, einerseits durch spezielle Angebote die gesamte Entwicklung und das Sehvermögen zu begünstigen und andererseits durch sinnvolle Maßnahmen die selbstverständliche Teilnahme am Alltagsleben und in der Gemeinschaft zu verbessern. Eine Frühförderin besucht die Familie wöchentlich oder 14-tägig für etwa 90 Minuten zu Hause, und unterstützt die Entwicklung und das Sehen durch gezielte Förderung im Spiel.
Neben der mobilen Frühförderung gehören unter anderem augenärztliche und orthoptische Diagnostik, klinisch-psychologische und neuropsychologische Untersuchungen sowie Low-Vision-Abklärung dazu. Gleichzeitig werden Eltern beraten und in ihrer wichtigen Rolle als Bezugspersonen unterstützt.
Unser Team besteht aus speziell ausgebildeten Frühförderinnen mit sonderpädagogischen und psychologischen Grundausbildungen, darunter Sonder- und Heilpädagoginnen, Blinden- und Sehbehindertenlehrerinnen, Sonderkindergartenpädagoginnen und Behindertenpädagoginnen. Voraussetzung für die Tätigkeit ist eine dreijährige Fachweiterbildung für die Frühförderung von Kindern mit Sehbehinderung oder Blindheit. Ergänzt wird das Team durch einen Augenarzt, eine Orthoptistin, Psychologinnen, Low-Vision-Expertinnen sowie Trainerinnen für lebenspraktische Fertigkeiten und Echolokalisation.
Welche Bilderbücher können Sie für Kinder mit Sehbeeinträchtigung empfehlen?
Besonders geeignet sind Bilderbücher mit hohen Kontrasten, klaren Konturen, einfachen Illustrationen, großer Schrift außerhalb vom Bild und eventuell tastbaren Elementen. Für blinde und stark sehbeeinträchtigte Kinder bieten sich taktile Bilderbücher an, die durch unterschiedliche Materialien, Reliefs oder Brailleschrift mehrere Sinne ansprechen. Auf glänzende oder reflektierende Oberflächen sollte verzichtet werden. In der Frühförderung hat es sich bewährt, dass Bilderbücher gezielt für die Bedürfnisse des einzelnen Kindes adaptiert werden.
Was gibt es alles noch zu tun in unserer Gesellschaft, sowohl bezüglich der Sensibilität und Achtsamkeit als auch der Infrastruktur für Personen mit einer Sehbehinderung?
Aus den Erfahrungen von CONTRAST wird deutlich, wie wichtig frühe Diagnostik, interdisziplinäre Zusammenarbeit und verlässliche Unterstützungsangebote sind. Gesellschaftlich braucht es weiterhin mehr Bewusstsein für die Bedürfnisse sehbeeinträchtigter Kinder, mehr inklusive Bildungsangebote und barrierefreie Umgebungen. Ziel sollte sein, dass Kinder mit Sehbehinderung von Anfang an selbstverständlich am Kindergarten-, Schul- und Freizeitleben teilnehmen können.
Finanziert wird die Arbeit von CONTRAST durch öffentliche Kostenträger, darunter der Fonds Soziales Wien sowie die Länder Niederösterreich und Burgenland. Darüber hinaus trägt ein wichtiger Teil der Finanzierung durch Spenden, Sponsoren und Stiftungen zur Umsetzung der Angebote bei.
Spendenkonto: CONTRAST Frühförderung, Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG, AT372011128363071001, GIBAATWW
